Was hat Alkoholsucht mit deinen Eltern zu tun? Die versteckte Gefahr im Feierabendbier oder Wein - Frühkindliche psychische Ursachen

Alkohol hat seit jeher eine ambivalente Rolle in der Gesellschaft gespielt. Für manche ist es ein Mittel zur Entspannung und Geselligkeit, für andere kann es zu einer zerstörerischen Sucht werden. Doch schon der regelmäßige Konsum von kleinen Mengen Alkohol verändert die emotionale Gefühlswelt und kann als gesundheitsschädlich betrachtet werden.
Aus diesem Grund ist Alkoholsucht ein komplexes Phänomen, das weit über die physische Abhängigkeit hinausgeht. Insbesondere die psychosomatischen Verbindungen spielen eine zentrale Rolle. Die Frage, wie die Beziehung zu den Eltern und frühkindliche Erfahrungen das Risiko einer Alkoholsucht beeinflussen können, wird oft vernachlässigt. Dabei bietet diese Perspektive wertvolle Einblicke in die Ursachen und möglichen Lösungsansätze.

Also, was hat Alkoholsucht mit deinen Eltern zu tun? Alkoholsucht ist eine Regression in frühkindliche Zeiten, bei der ein Zustand von Unbeschwertheit und Geborgenheit angestrebt wird. Die Kombination aus dem “Saugen an der Flasche” und dem “losgelöst sein” von den eigenen Gefühlen, sorgt dafür, dass der Mensch sich wieder fühlt wie ein Kleinkind, das noch an der Flasche hängt.

In diesem Artikel erfährst du alles, was du über die psychosomatische Verbindung zwischen Alkohol und die tiefen seelischen Wunden wissen musst. Am Ende habe ich dir die wichtigsten Fragen zum Thema Alkoholsucht zusammengefasst und welche ganzheitlichen Therapiemaßnahmen infrage kommen.

Inhaltsverzeichnis

Alkohol als Anästhetikum des Lebens

„Alkohol ist der Anästhetikum, mit dem wir die Operation des Lebens ertragen.“ – George Bernard Shaw

Diese Worte des berühmten irischen Dramatikers und Literaturnobelpreisträgers George Bernard Shaw fassen treffend die düstere Realität der Alkoholsucht zusammen. Alkohol dient vielen Menschen als Betäubungsmittel, um die unerträglichen Schmerzen und Frustrationen des Lebens zu lindern. Doch hinter dieser kurzfristigen Linderung verbirgt sich oft eine tiefere, psychologische Problematik, die bis in die frühkindlichen Erfahrungen zurückreichen kann.

Was ist Alkoholsucht?

Alkoholsucht, auch bekannt als Alkoholabhängigkeit oder Alkoholismus, ist eine chronische Krankheit, die durch ein starkes Verlangen nach Alkohol, den Verlust der Kontrolle über den Alkoholkonsum und die Entwicklung einer Toleranz und Entzugserscheinungen gekennzeichnet ist. Die Diagnose basiert auf bestimmten Kriterien, wie sie im Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen (DSM-5) festgelegt sind. Zu diesen Kriterien gehören unter anderem:

– Starkes Verlangen nach Alkohol

– Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren

– Fortgesetzter Konsum trotz negativer Konsequenzen

– Toleranzentwicklung (man benötigt immer mehr Alkohol, um die gleiche Wirkung zu erzielen)

– Entzugserscheinungen bei Nichtkonsum

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Aaron Jurenka - Ganzheitlicher Therapeut

Ganzheitlicher Therapeut mit Ausrichtung auf Psychosomatik, Manuelle Therapie und Ernährung

„Ich begleite seit über 14 Jahren PatientInnen und KlientInnen – Online und 1:1 in meiner Praxis“

Alkoholabhängig - Was viele “Feierabendbiertrinker” übersehen und missverstehen

Was bei dem oben beschriebenen Absatz über Alkoholsucht allerdings schnell übersehen wird ist, dass auch das regelmäßige Feierabendbier und das tägliche viertele Rotwein am Abend, zu einer Veränderung des Hormonhaushalts führt. Dieser regelmäßige Konsum kann schon auf einen inneren Mangelzustand zurückzuführen sein, der, wenn er nicht aufgearbeitet wird, zu einer leichten Abhängigkeit führen und die Gesundheit massiv schädigen kann.

Auch in der Forschung ist man in diesem Punkt inzwischen sehr kritisch geworden. Galten früher noch zwei bis drei kleinere Gläschen pro Tag als gesundheitsunbedenklich, geht man heute davon aus, dass nur noch zwei Drinks pro Woche als halbwegs Risiko frei gelten. Alles, was darüber ist, scheint das Sterberisiko deutlich zu erhöhen und führt uns zurück zu dem Schluss, dass auch kleinere Mengen Alkohol nicht als “normal”, sondern als “krankhaft” betrachtet werden müssen.

Aus diesem Grund hatte Kanada Anfang 2023 seine offizielle Empfehlung drastisch heruntergeschraubt. Denn wird der Konsum beispielsweise von zwei auf vier Drinks pro Woche erhöht (1,3 Liter Bier oder 0,5 Liter Wein → 50 g Alkohol) erhöht sich das Risiko für Krebs im Mund, Rachen und Speiseröhre um rund 400 Prozent.

Alkoholkrankheit und der Weichzeichnereffekt

Die Suche des Alkoholabhängigen

„Sucht kommt von Suche“ – ein Satz, der die tief verwurzelte menschliche Sehnsucht nach Erfüllung und Verbindung beschreibt. Alkohol kann als Mittel zur Flucht vor schwierigen Gefühlen und Realitäten dienen. Oft sind diese Gefühle tief in frühkindlichen Erfahrungen und der Beziehung zu den Eltern verwurzelt. 

Grundsätzlich geht es bei Süchten um Zustände. Verspürt ein Mensch einen inneren Mangelzustand, nutzt er ein entsprechendes Suchtmittel, um den gewünschten Zustand, der den Mangelzustand beendet, herbeizuführen. So auch beim Alkoholismus.

Träume & Illusionen: Der Wunsch nach einer schöneren Welt

Es wird versucht, die harte Welt weich erscheinen zu lassen und sich eine rundere, schönere Welt zu zeichnen. Der Alkohol ermöglicht eine sehr bequeme Flucht in eine “schönere Welt” voller Träume und Illusionen. 

Dieser Wunsch nach einer heileren Welt, ist auf einen großen innerlichen Schmerz und eine Angst vor den eigenen Gefühlen zurückzuführen. Ein Trauma, was zu groß und zu schwer erscheint, als dass man sich ihm stellen könnte. Es geht hier um Konfliktvermeidung und das Gefühl in einer armen Opferrolle gefangen zu sein, was nicht selten zu aggressiven Verhalten bei Betroffenen führen kann.

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Selbstheilung durch Gedanken

Folge 41: Alkoholsucht – Was hat Alkoholabhängigkeit mit deinen Eltern zu tun? Die versteckte Gefahr im Feierabendbier & Wein

In dieser bewegenden Episode tauchen wir tief in das Thema Alkoholsucht ein. Wir beleuchten die psychosomatische Verbindung, die zwischen frühkindlichem Trauma besteht, die oft bei Alkoholsucht übersehen wird. Erfahre, wie Überforderung, Angst und traumatische Erlebnisse Alkoholabhängigkeit beeinflussen kann.

Psychosomatische Verbindungen: Der Einfluss der Eltern

Regression in frühkindliche Zeiten

Die Regression, ein psychologischer Abwehrmechanismus, beschreibt das Zurückfallen in frühere Entwicklungsstufen als Reaktion auf Stress oder unangenehme Gefühle. Für Menschen mit Alkoholsucht kann der Alkoholkonsum eine Möglichkeit sein, in einen Zustand kindlicher Unbekümmertheit oder Schutz zurückzukehren. Diese Flucht kann durch Erfahrungen in der Kindheit ausgelöst werden, in denen man Sicherheit und Geborgenheit vermisst hat.

D.h. kommt es in der Kindheit zu einem verminderten intimen Kontakt zwischen dem Kind und dem Vater und/oder der Mutter, hinterlässt diese fehlende Liebe eine tiefe Wunde, die, wenn sie nicht bearbeitet und geheilt wird, langfristig zu einer Neigung zu Alkoholmissbrauch führen kann. Denn das “an der Flasche hängen oder saugen” beschreibt den gewünschten Zustand der Betroffenen sehr gut.

Es ist ein Zustand, in dem alles da sein darf, in dem man alles herauslassen darf (schreien, weinen, lachen, lallen) und in dem ein gewisses Geborgenheitsgefühl durch die Flüssignahrungsaufnahme entsteht. 

Diese Regression kann letztendlich so weit gehen, dass die Zähne ausfallen, die Potenz sinkt und der “Babyspeck” wieder vermehrt zu nimmt.

Flucht vor den eigenen Gefühlen

Menschen, die in ihrer Kindheit oder frühen Erwachsenenalter emotional vernachlässigt wurden oder traumatische Erlebnisse hatten, entwickeln häufig Strategien, um unangenehme Gefühle zu unterdrücken. Alkohol kann eine solche Strategie sein. Die betäubende Wirkung des Alkohols bietet eine kurzfristige Erleichterung von schmerzhaften Emotionen, führt jedoch langfristig zu einer Abhängigkeit.

Denn die verringerte Gefühlsbereitschaft führt zu einem “sich Anhäufen” der negativen Gefühle. Zusätzlich setzt das befriedigende Gefühl mit dem regelmäßigen Alkoholkonsum immer später ein, was dazu führt, dass immer mehr Alkohol benötigt wird, um einen gewissen “befriedigenden” Zustand im Inneren zu erreichen.

Die schwer zu ertragende Realität eines unerfüllten Traums

Viele Menschen mit Alkoholsucht kämpfen mit dem Gefühl, ihre Träume und Ziele nicht erreicht zu haben. Dieses Gefühl kann durch die Erwartungen und das Verhalten der Eltern in der Kindheit geprägt sein. Eltern, die unrealistisch hohe Erwartungen haben oder ihre Kinder ständig kritisieren, können dazu beitragen, dass diese Kinder später im Leben ein geringes Selbstwertgefühl entwickeln und Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Träume zu verwirklichen. Alkohol kann dann als Mittel zur Bewältigung dieses Versagensgefühl dienen.

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Therapie Alkoholsucht - Der Weg zur Heilung

Die Behandlung von Alkoholsucht erfordert oft einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte der Sucht berücksichtigt. Eine erfolgreiche Therapie umfasst in der Regel:

– Medizinische Behandlung: Um körperliche Entzugserscheinungen zu lindern und die körperliche Gesundheit wiederherzustellen.

– Psychotherapie: Um die tieferliegenden emotionalen und psychologischen Ursachen der Sucht zu erforschen und zu bearbeiten.

– Selbsthilfegruppen: Wie die Anonymen Alkoholiker, bieten Unterstützung und Gemeinschaft.

– Familientherapie: Um familiäre Dynamiken zu klären und gesunde Beziehungen zu fördern.

4 Fragen, um deine Grundursache bei Alkoholsucht zu analysieren

Um Symptome und Krankheiten ganzheitlich zu heilen, ist es wichtig, die Grundursache der Krankheit zu verstehen und aufzuarbeiten. Erst wenn wir die eigentliche Wunde in unserem System anfangen, anzuschauen und anzunehmen, können wir wieder Einheit und Liebe in den Körper, Seele, Geist Komplex bringen und die Such(t)e aufgeben.

Diese Fragen sollen dir zum einen zeigen, wie ich arbeite, aber zum anderen natürlich auch schon mal einen Weg zeigen, wie du an deine Grundursache annähern kannst. Denn wenn du die Grundursache kennst, kannst du anfangen, deine psychischen Programme, die in den ersten Jahren deines Lebens geschrieben worden sind, zu verändern.

Deswegen, wenn du eine starke Neigung zu Alkohol hast, auch wenn es bisher nicht in eine starke Sucht ausgeartet ist, dann ergibt es durchaus Sinn, sich hier einmal einige wichtige Fragen in Ruhe zu stellen:

  • Wie ist deine Beziehung zu deinen Eltern? Und wann ist der Konflikt/Bruch entstanden?
  • Wann war der Zeitpunkt als du deine Gefühle nicht mehr fühlen wolltest? 
  • Welcher Zustand der Hilflosigkeit wird hier getriggert und woher kennst du ihn?
  • Wovor läufst du in deinem Leben davon?
  • Und welche Wünsche sind es in deinem Leben, die du bisher noch nicht umgesetzt und realisiert hast?

Alkoholsucht was tun? Häufig gestellte Fragen

Was sind die Anzeichen von Alkoholsucht?

Anzeichen von Alkoholsucht können starkes Verlangen nach Alkohol, Kontrollverlust über den Konsum, Vernachlässigung von Verpflichtungen und soziale oder gesundheitliche Probleme durch Alkoholkonsum sein.

Wie kann man Alkoholsucht verhindern?

Prävention umfasst Bildung über die Risiken von Alkohol, Entwicklung gesunder Bewältigungsstrategien und Unterstützungssysteme sowie frühzeitiges Eingreifen bei riskantem Konsumverhalten.

Welche Rolle spielen Gene bei der Entwicklung von Alkoholsucht?

Gene können etwa 50 % des Risikos einer Alkoholsucht ausmachen. Menschen mit einer Familiengeschichte von Alkoholismus haben ein höheres Risiko, selbst abhängig zu werden. Seid der Entdeckung der Gene wissen wir allerdings auch das die Gene keine so große Rolle mehr spielt wie bisher angenommen.

Kann man Alkoholsucht alleine überwinden?

Es ist möglich, aber sehr schwierig. Unterstützung durch Therapie, Selbsthilfegruppen und medizinische Fachkräfte erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Genesung erheblich.

Welche Therapieansätze gibt es für Alkoholsucht?

Therapieansätze umfassen medikamentöse Behandlung, Psychotherapie, Selbsthilfegruppen und Familientherapie.

Wie beeinflussen frühkindliche Erfahrungen das Risiko einer Alkoholsucht?

Frühkindliche Erfahrungen, insbesondere emotionaler Mangel oder Trauma, können das Risiko einer Alkoholsucht erhöhen, da Betroffene oft Alkohol nutzen, um schwierige Gefühle zu bewältigen. Alkohol dient hier leider sehr häufig als Fluchtmittel in eine schönere, „weichgezeichnetere Welt“. 

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Fazit

Die Beziehung zu den Eltern und frühkindliche Erfahrungen spielen eine wesentliche Rolle in der Entwicklung einer Alkoholsucht. Das Verständnis dieser psychosomatischen Verbindungen kann nicht nur helfen, die Ursachen besser zu verstehen, sondern auch wirksame Wege zur Heilung aufzeigen. Es ist wichtig, die emotionalen Wurzeln der Sucht anzuerkennen und ganzheitliche Ansätze in der Therapie zu verfolgen, um langfristige Genesung und Wohlbefinden zu erreichen.

In dem Moment, an dem wir die Grundursache für die Alkoholsucht erkennen und analysiert, haben, können wir anfangen, die tiefe emotionale Wunde zu heilen. Ziel ist es, einen individuellen Weg zu finden, wie der innerliche Zustand kreativ ausgedrückt und die innerliche Leere gefüllt werden kann.