Tinnitus? Die psychischen Ursachen - Wenn die Seele weint

Die psychischen Zusammenhänge bei Tinnitus sind äußerst relevant, da das Ohrgeräusch stark durch das seelische Befinden beeinflusst wird. Die Ohrgeräusche sind schon viel älter und viel länger bekannt, als die meisten vielleicht denken würden. Historische Persönlichkeiten wie Charles Darwin oder Martin Luther litten unter der akustischen Symptomatik. 

Also, welche psychischen Ursachen hat Tinnitus? Tinnitus wird primär durch Stress ausgelöst und steht im Zusammenhang mit verschiedenen Emotionen. Gerade Angst, innere Unruhe, Leistungsdruck, Unsicherheit und Verzweiflung sind bei fast allen Patienten mit Tinnitus zu finden. Die hohe körperliche Spannung wirkt sich auf den Körper aus und verändert die Schwingung im Innenohr.

In diesem Artikel erfährst du alles zum Thema Tinnitus und welche psychischen Verhaltensstrukturen bei Tinnitus PatientInnen zu finden sind. Außerdem stelle ich dir am Ende eine Eigenübung vor, die die körperliche und die seelische Therapie vereint.

Inhaltsverzeichnis

Welcher Tinnitus ist heilbar? Die verschiedenen Arten von Tinnitus

Die Ohrgeräusche können unterschiedliche Ausprägungsformen annehmen. Ohrensausen, Rauschen, Pfeifen, Fiepsen, Glockengeläute, Klingeln und vieles mehr. Deutschlandweit sind circa 2,7 Millionen von dieser Symptomatik betroffen. Auf Dauer kann diese akustische Belastung Nerven, Schlaf und letztendlich auch die Regeneration, sowie die Lebensqualität vermindern. 

Grob kann zwischen akuten und – ab einer Dauer von drei Monaten – chronischen Tinnitus unterschieden werden. 

Zusätzlich sollte zu Beginn geprüft werden, ob die Symptome sich subjektiv oder objektiv äußern. Ein objektiver Tinnitus ist mithilfe eines Stethoskops zu hören und tritt dann auf, wenn z. B. ein Herzfehler vorliegt. Die meisten Betroffenen leiden allerdings an einer subjektiven Symptomatik, die nur von den PatientInnen selbst gehört werden kann. Wenn also im Rahmen einer Untersuchung beim HNO-Arzt keine Ursache gefunden werden kann, spricht man von einem sogenannten idiopathischen Tinnitus, der in den allermeisten Fällen durch die Psyche ausgelöst wird und gut behandelbar ist.

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Aaron Jurenka - Ganzheitlicher Therapeut

Psychosomatik, Physiotherapie, Osteopathie, Ernährungsberatung, med. Trainingstherapie, Dozent für Physiotherapie

„Ich begleite seit über 14 Jahren PatientInnen und KlientInnen – Online und 1:1 in meiner Praxis“

Wie hört ein Mensch eigentlich? Die Physiologie des Hörens

Alle Töne und Geräusche, die in unser Ohr dringen, werden als Schallwellen übertragen  und lösen eine Schwingung des Trommelfells aus. Damit unser Gehirn diese Impulse  verarbeiten kann, wird die Schwingung in elektrische Impulse übersetzt, welche dann über den Hörnerv in bestimmte Hirnregionen weitergeleitet werden. Bevor die akustischen Eindrücke allerdings weitergegeben werden, werden sie vom Unterbewusstsein vorab bewertet und in wichtig und unwichtig unterteilt. Das, was als wichtig wahrgenommen wird, wird verstärkt, was als unwichtig wahrgenommen wird, nicht.

Das heißt, unwichtige Geräusche schaffen es erst gar nicht, in das Bewusstsein vorzudringen. Dieser Mechanismus ist letztendlich ein Überlebensmechanismus, der uns hilft, auf Gefahrensituationen entsprechend reagieren zu können. Außerdem schützt er vor einer Informationsflut, die täglich auf uns einströmt. Das Abwehren von unwichtigen Informationen ist also extrem wichtig für uns, da eine Überlastung vorgebeugt wird. Bei Ohrgeräuschen ist genau dieser Prozess der Hör- und Signalverarbeitung gestört.

Wie wird ein Tinnitus ausgelöst?

Der permanente Geräuschpegel wie Autoverkehr, Fluglärm, Bauarbeiten oder die regelmäßige Beschallung mit Musik und Stimmen fordert unsere Hörverarbeitung extrem heraus. Geräusch in den Ohren können allerdings auch in seltenen Fällen eine Folge, von einer bakteriellen bzw. viralen Entzündung, eines Knalltrauma oder eines Hörsturzes sein. Das heißt, das Innenohr wurde vielleicht durch ein extrem lautes Signal in direkter Nähe, aus dem Gleichgewicht gebracht oder sogar geschädigt.

Grundsätzlich kann man also sagen, dass bei Geräuschen in den Ohren eine Reizüberflutung von extern auf den Körper einwirkt und der Körper auf das “zu viel” reagiert. 

Dieses “zu viel” muss nicht immer direkt mit akustischen Geräuschen zu tun haben. Auch auf Ebene der Psyche kann ein “zu viel” oder “zu wenig” Geräusche im Innenohr auslösen. Besteht zum Beispiel eine einseitige oder unvollständige Kommunikation mit einem engen Partner, kann das zu einer Störung des Unterbewusstseins führen und die Reizübertragung im Gehirn stören.

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Selbstheilung durch Gedanken

Folge 24: Tinnitus? Wenn die Seele weint! Psychische Ursache

Bei Tinnitus wird die Verbindung von Körper und Seele besonders gut sichtbar. In dieser Folge möchte ich dir zeigen, welche Programme in Menschen mit Ohrgeräuschen existieren. Wie denkt ein Mensch mit akustischen Symptomen im Ohr und welche Programme sind vielleicht schon sehr früh als Kind angelegt worden? Außerdem gebe ich dir Einblicke in die Komplexität der anatomischen Strukturen im Ohr.

Welche emotionalen Auslöser gibt es bei Tinnitus?

Die Symptomatik tritt besonders häufig bei Personen auf, die einen sehr großen Leistungsstress erleben. Das heißt das Erleben der betroffenen Person ist hier ausschlaggebend, nicht wie die Leistung objektiv im Verhältnis zu anderen Menschen bewertet wird. Der Beginn der Symptomatik ist meistens nicht irgendwann, sondern zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt. Oft als Folge eines Ereignisses oder eines emotionalen Schocks, bei dem das Stressniveau besonders stark erhöht wurde.

  • Verlust der Arbeit
  • Scheidung
  • Unfall
  • Verlust eines nahen Angehörigen
  • Auftragsbezogener Leistungsanstieg (Kollege fällt weg/aus)
  • Emotionale Distanzierung zu nahen Angehörigen

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Welche Emotionen stecken hinter Tinnitus?

Die Ohrgeräusche spiegeln oft tiefe Konflikte im Leben der Betroffenen wider. Gerade das Gefühl, sich weit weg von einer geliebten Person zu befinden, sich getrennt fühlen, weil Probleme in der Kommunikation vorhanden sind, lösen starke emotionale Reaktionen aus. Das Gefühl des innerlichen Zwiespalts beschreibt das Bedürfnis nach Einsamkeit und Ruhe, allerdings, nur wenn es selbst, freiwillig ausgesucht wurde.

Hier ein Überblick über Gefühle und Emotionen bei Menschen mit Tinnitus:

  • Angst
  • Unsicherheit
  • Leere
  • innere Unruhe
  • Zwiespalt
  • Einsamkeit
  • Angst vor dem Tod
  • Leistungsdruck
  • Suche nach Anerkennung

Leidest du aktuell unter Tinnitus? Ich helfe dir gerne

Ich begleite seit über 14 Jahren PatientInnen auf ihrem Weg zur Gesundheit. Ich freue mich auf Dich!

Welche psychischen Muster laufen bei Tinnitus im Inneren ab?

Menschen mit Geräuschen in den Ohren verspüren ganz häufig das Bedürfnis nach Anerkennung und möchten, dass ihre Identität und ihre Rechte respektiert werden. Sie haben Angst, ihre Arbeit oder einen bestimmten sozialen Rang zu verlieren, wollen sich aber damit auch nicht konfrontieren.

Ein Bild der Starrköpfigkeit und die Scheu, gewissen Ideen auch Raum geben zu können, zeichnet sich hier ab.
Es ist vielleicht sogar ein Muster entstanden, bei dem sich die Betroffenen darauf versteifen, in einer
unbefriedigenden Situation zu bleiben und nichts zu verändern. Sie widersetzen sich der Veränderung, die sie sich selbst nicht ausgesucht haben und über die sie keine Kontrolle haben.

Die psychische Ursache bei Tinnitus!

Die pathologischen Geräusche im Ohr können am Bild eines Radios besonders gut veranschaulicht werden. Wenn ein Radio auf einen Sender eingestellt ist, bei dem aktuell keine Musik oder Sprache gesendet wird, ist Stille. Wenn aber das Radio nicht richtig auf den Sender eingestellt ist, dann knistert, pfeift oder rauscht es. Bei alten Funkradios lässt sich das besonders eindrücklich veranschaulichen. 

Das heißt, man darf sich hier die Fragen stellen: 

  • Habe ich in letzter Zeit auf meine innere Stimme gehört? 
  • Bin ich mit meiner inneren Stimme aktuell richtig verbunden? 
  • Gibt es Emotionen, die aus Angst, das inneres Gleichgewicht durcheinanderzubringen, verdrängt wurden?

Das Unterbewusstsein erinnert einen also auf eine ganz eindrückliche Art und Weise daran, wieder mehr auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu hören.

Wie werde ich den Tinnitus wieder los?

Um die Symptomatik wieder loszuwerden, ist eine große Portion Ehrlichkeit und Offenheit sich selbst gegenüber gefragt. Denn das Pfeifen, Knistern, Brummen oder Summen zeigt dir, dass es etwas gibt, was du aktuell vielleicht nicht mehr hören möchtest.

Das Geräusch verdeckt etwas, damit es nicht bis zu deinen Ohren dringt. Diese Spannung, die dabei entsteht, ist so groß, dass sogar das Os temporale, in seiner eigentlichen Funktion gehemmt ist. Dieser seitliche Schädelknochen, auch Schläfenbein genannt, bildet unter anderem den Gehörgang und spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Tinnitus. Dazu findest du in meinem Podcast mehr Informationen.

Zu Beginn ist es wichtig, mithilfe eines geschulten Therapeuten, sich auf eine Reise in das Unterbewusstsein zu begeben. Hier kann analysiert werden, welche Bereiche im Unterbewusstsein mit dem Tinnitus in Verbindung stehen. Anschließend können die entsprechenden Situationen, Emotionen und persönlichen Verhaltensstrukturen aufgearbeitet und gelöst werden. Dadurch geht auch die Spannung auf körperlicher Ebene, im Bereich des Kiefers und des Schläfenbeins, zurück. 

Gleichzeitig empfehle ich hier die Zusammenarbeit mit einem Manual Therapeuten oder Osteopathen, der die jeweiligen Strukturen am Schädel und an der Halswirbelsäule löst. Wenn du selbst ein sehr gutes Händchen hast, dann solltest du unbedingt die unten beschriebene Eigenübung für dich ausprobieren.

Eigenübung bei Tinnitus: Körper und Geist in Harmonie

  1. Setze dich oder lege dich ganz entspannt hin und schließe die Augen.
  2. Gehe in einen angenehmen, sanften Atemrhythmus und warte, bis die Entspannung einsetzt.
  3. Lege deine Daumen sanft außen an den Gehörgang an und deine Finger an den Kopf.
  4. Jetzt gibst du einen leichten Zug über den Daumen nach oben, als wolltest du den Daumen zu den anderen Fingern bringen. Halte diesen sanften Zug, die restliche Zeit der Übung über.
  5. Gehe jetzt mit deiner Aufmerksamkeit nach innen in deine Ohren. Die inneren Ohren befinden sich 8 – 10 cm hinter deinen körperlichen Ohren
  6. Stelle dir den Raum vor und bleibe mit deiner Aufmerksamkeit in dem Raum
  7. Jetzt ist es Zeit, diesen Zustand mit einer höheren Emotion zu verknüpfen. Stell dir vor, wie es sich anfühlt, keinen Tinnitus mehr zu haben. Fühle die innere Stille, höre die innere Stimme und spüre gleichzeitig Dankbarkeit, Freude, Fülle, Inspiration oder was in dem Moment in dein Bewusstsein kommt. Sei dankbar, dass du dich wieder neu mit dir selbst verbinden darfst.
  8. Genieße diesen Zustand und spüre wie diese positive Emotion in deinem Raum wirkt und fühle die Veränderung
  9. Nach einigen Minuten löst du die Aufmerksamkeit wieder und anschließend löst du langsam den Zug deiner Ohren.
  10. Du öffnest deine Augen und kommst wieder ganz in das Hier und Jetzt zurück.

Du kannst diese Übung mehrmals täglich durchführen. Wichtig ist, dass du sie mindestens 3x am Tag in Abständen zueinander durchführst.
Ganz wichtig! Nimm dir Zeit für diese Übung und kreiere einen Ort der Ruhe in dir. Egal, wo du bist. Im Zug, bei der Arbeit oder zu Hause. Zusätzlich sollten die aufgearbeiteten
psychosomatischen Programme aus deinem Unterbewusstsein in das Bewusstsein integriert werden und dein „Sender“ neu eingestellt werden, damit die Spannung langfristig nachlässt.

Denn die unterbewusste Spannung besteht 24h am Tag. Da ist eine Eigenübung oder Osteopathische Behandlung von vielleicht 30 bis 60 Minuten am Tag nicht wirklich ausreichend, um dem Zug entgegenzuwirken!
Das Kauen von Kaugummi solltest du in dieser Zeit auch am besten unterlassen, um den Zug von Unterkiefer auf Schläfenknochen nicht unnötig zu erhöhen.