Wie Atmung und Psyche zusammenhängen – Psychosomatik einfach erklärt!

Kaum ein menschliches Organ besitzt so eine zentrale Rolle wie unsere Lunge. Unterbrechen wir den autonomen Atemrhythmus für wenige Sekunden oder gar Minuten, verspüren wir direkt den Impuls wieder einzuatmen. Wenn wir in die alten Schriften schauen, dann fällt auf, dass im Lateinischen, Griechischen oder Indischen das gleiche Wort für Atem auch immer für Seele oder Geist verwendet wird.

Also, welche Bedeutung hat die Atmung in Bezug auf die Psyche? Die Atmung spiegelt deutlich die Themen Kommunikation, Kontakt, Freiheit und Beziehung, zwischen dem Mensch und seiner Umwelt auf der Ebene des Unterbewusstseins wider. 

In diesem Artikel erfährst du, welche Bereiche im Unterbewusstsein synergistisch mit dem Thema Atmung verknüpft sind. Außerdem stelle ich dir am Ende einige wichtige Fragen vor, die beim Thema Atmung im Zusammenhang mit der Psyche analysiert werden können.

Inhaltsverzeichnis

Die Atmung als Zeichen der Polarität

Der menschliche Atem setzt sich aus zwei Phasen zusammen, dem Ausatmen und dem Einatmen. Ohne Ausatmen ist das Einatmen nicht möglich und umgekehrt genauso. Bedeutet beide Pole bedingen einander und sind auch voneinander abhängig. Dabei entsteht ein Rhythmus, der auch als Spannung und Entspannung übersetzt werden kann. Oder in Annehmen und Loslassen, Anspannung und Entspannung, Nehmen und Geben. 

In der Atmung wird die Polarität in der wir Leben sehr deutlich. Nur durch die perfekte Zusammenarbeit von Aus- und Einatmung entsteht eine Ganzheit, die den Menschen mit Leben erfüllt und ihn am Leben erhält.

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Aaron Jurenka - Ganzheitlicher Therapeut

Psychosomatik, Physiotherapie, Osteopathie, Ernährungsberatung, med. Trainingstherapie, Dozent für Physiotherapie

„Ich begleite seit über 14 Jahren PatientInnen und KlientInnen – Online und 1:1 in meiner Praxis“

Der Atem als Ausdruck der Seele

Im Lateinischen heißt atmen spirare und Spiritus der Geist. Hier sehen wir anhand der Wortverwandtschaft einen engen Zusammenhang. Auch das Wort Inspiration, was so viel wie Einhauchen bedeutet, verdeutlicht den engen Zusammenhang vom Atem zur Seele.
Schauen wir in die alte griechische Schrift, finden wir auch hier in der Übersetzung des Wortes
Psyche eine Verwandtschaft zu Hauch und Seele.

In der indischen Lehre wird der Atem atman genannt und ist Träger des prana, der eigentlichen Lebenskraft. Sinkt das prana, sinkt auch die Lebensenergie und endet mit dem Tod.

Auch die Schöpfungsgeschichte der Bibel beruft sich auf den Atem, in dem Gott dem Erdhaufen Adam Leben einhauchte und ihm zu einem lebendigen Wesen machte.

Wir sehen also, egal in welchen Bereich der Erde wir schauen, spielt die Atmung und der Atem eine sehr zentrale Schlüsselrolle, was die Lebensenergie betrifft.

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Die heilende Atmung

Folge 18: Die heilende Atmung

Die Lunge ist das einzige Organ, was uns einen Zugang zum autonomen Nervensystem ermöglicht. Dadurch können wir über die Lunge, das eigentlich unbewusste Nervensystem, für unsere Selbstheilungskräfte bewusst nutzen.
Außerdem stelle ich dir die heilende Atmung vor. Wissenschaftler haben nämlich 2001 eine spannende Entdeckung gemacht…

Der kollektive Atem der Welt

Wenn wir uns als Menschen noch so sehr von unserer Umwelt und unseren Mitmenschen abgrenzen, können wir uns doch nicht vom Austausch mit der Atemluft abgrenzen. Die Luft, die wir gerade in den Lungen haben, hatte unser Gegenüber auch schon in der Lunge. Bedeutet, der Atem sorgt dafür, dass wir, alle Menschen und Lebewesen auf dieser Erde, miteinander verbunden bleiben. Letztendlich ist der Atem die Nabelschnur, mit der wir alle Verbunden sind und der uns die Lebenskraft und Lebensenergie verleiht, die wir jede Minute benötigen. Reißt die Nabelschnur ab, verlieren wir die Verbindung zu dieser Welt.

Die Gemeinsamkeit von Haut und Atmung

Die Atemluft, die von außen kommt, verbindet sich letztendlich in den Alveolen (Lungenblässchen) mit unserem Körper. Das heißt, wir nehmen unfreiwillig oder freiwillig Kontakt mit der Umwelt auf. Ähnlich wie unsere Lunge können wir aber auch über unsere Haut in Kontakt mit unserem Umfeld treten oder eben nicht und uns davon abgrenzen. Der Unterschied zur Lunge ist allerdings ganz offensichtlich. Der Kontakt über die Lunge ist ein sehr indirekter, aber dafür zwingender. Während bei der Haut der Kontakt freiwillig entsteht und dafür aber sehr intensiv wahrnehmbar ist. 

Aus diesem Grund finden wir auch auf körperliche Ebene Krankheitssymptome wie zum Beispiel Asthma und Hautausschläge, die genau das gleiche Problem darstellen: Kontakt, Berührung, Austausch, Beziehung. Deswegen kann sich auch ein unterdrückter Hautausschlag im Asthma äußern. Behandelt man das Asthma, kann es sich allerdings auch wieder als Hautausschlag zeigen.

Rauchen – Atmung und Freiheit

Jeder kennt vermutlich den Satz: Mir fehlt die Luft zum Atmen oder etwas liegt mir auf der Brust!

An diesem Satz wird nochmal deutlich, wie wichtig das Thema Freiheit in Bezug auf unsere Atmung ist. 

Besonders eindrücklich wird es anhand von folgendem Beispiel: Stell dir vor, du kommst gerade aus einem anstrengenden Meeting, du trittst vor die Tür des Gebäudes und holst wie von selbst einen tiefen Atemzug.
Dieser erste Atemzug ist ein Symbol der Freiheit, des Loslassens, des sich psychisch lösen Wollens der stressigen oder anstrengenden Situation, aus der man gerade kommt.

Aus diesen Gründen sollten sich Menschen, die zum Genuss rauchen oder aus Abhängigkeit sich unbedingt die unten genannte Frage nach der Freiheit stellen.
Interessanterweise wurde früher die Zigarette in Werbeanzeigen auch gern als Symbol der Freiheit beworben. Du kennst vielleicht noch die schöne Werbung an der Litfaßsäule oder an der Bushaltestelle.
Große Plakate mit schönen Bildern, wie ein Cowboy mitten in der Prärie am Feuer sitzt und genüsslich an seiner Zigarette zieht. Die Assoziation purer Freiheit und Unverbindlichkeit.

Jeder Mensch besitzt alle Ressourcen in sich zur Selbstheilung!

Mithilfe des Drei-Stufen-Konzepts von Aaron Jurenka findest auch du wieder den Weg zur Gesundheit.

Atmung und die un(ter)bewusste Ebene

Beim Thema Atmung und Atem geht es also um folgende Themenbereiche im Unterbewusstsein 

  • Kontakt —> Abwehr
    Wo in meinem Leben will ich vielleicht mit bestimmten Menschen oder Situationen nicht in den Kontakt kommen?
  • Freiheit —> Einengung
    Was engt mich ein und warum habe ich Angst mein Leben in Richtung Freiheit zu verändern?
  • Beziehung —> Einsamkeit
    Warum habe ich Angst, mich der Beziehung, dem Kontakt mit anderen Menschen zu öffnen?
  • Nehmen —> Geben
    Was will ich vielleicht nicht hergeben? Warum möchte ich nicht mehr geben? 
  • Spannung —> Entspannung
    Was will ich nicht loslassen? Was will ich nicht hergeben? Was halte ich fest?
  • Rhythmus —> Alles im Leben kommt und geht und wir brauchen den Schmerz, um das Glück zu fühlen!

Die Atmung und deine Emotionen

– So wie du atmest, so lebst du und so wie du lebst, so atmest du!

Der Atem, der autonom abläuft, in den Stunden, in denen du nicht dran denkst, wie du atmest, zeigt dir, wer du wirklich bist.

Bist du in der Lage tief ein und auszuatmen, dann symbolisiert das deine Fähigkeit deinen Emotionen Leben und Kraft zu verleihen. 

Dagegen deutet eine flache Atmung auf Widerstand und/oder Angst in deinem Leben hin. Gerade in Zeiten der Depression oder sogar Panik kann es ein Ausdruck der verdrängten Emotionen sein.

Letztendlich lebt also jeder Mensch so wie er atmet, oberflächlich oder eben tief, wie der Rhythmus der Jahreszeiten.
Der Atem ist ein Wechselspiel zwischen Geben (Ausatmen) und Nehmen (Einatmen). Er symbolisiert die Kommunikationswege mit dir als Individuum und deiner Außenwelt. Sind sie offen und frei oder verschlossen und zugesetzt?

Die heilende Atmung

Die allermeisten Menschen atmen viel zu flach, oberflächlich und zu schnell. Wir können uns Atmen ähnlich vorstellen wie Rudern, viele schnelle, ineffiziente Atemzüge bringen uns nicht so schnell ans Ziel wie ein paar kraftvolle, präzise ausgeführte Schläge.
Denn interessanterweise absorbiert die Lunge, wenn man normal atmet, nur etwa ein Viertel des eingeatmeten Sauerstoffs.
Bedeutet, der größte Teil wird beim Ausatmen wieder ausgestoßen. Atmet man langsamer, wird ganz einfach mehr Sauerstoff aufgenommen. 

John Douillard hat das ganze mal sehr treffend auf den Punkt gebracht: Wenn man erlebt, wie man jeden Tag schneller läuft, aber die Atemfrequenz stabil bleibt, versteht man die wahre Bedeutung des Wortes Fitness. 

Egal ob wir buddhistische Mönche ihr bekanntes Mantra (Om mani padme hum) skandieren hören oder Mantren im Kundaliniyoga, der Rosenkranz bei den Christen oder die sogenannten Mudras bei den Hinduisten, dann fällt auf, dass sie alle der Atem verbindet. Bei allen Praktiken beträgt die Einatmung und die Ausatmung 6 Sekunden.

Das bedeutet Japaner, Afrikaner, Hawaiianer, Indianer, Buddhisten, Taoisten und Christen haben alle dieselbe Gebetstechnik in Bezug auf ihr Atemmuster entwickelt.

An der Universität Pavia in Italien haben Forscher 2001 etwas sehr Spannendes herausgefunden. Egal, ob man ein buddhistischen Mantra, ein lateinisches Original des Rosenkranzgebetes oder der Zyklus des Ave-Marias rezitiert, die durchschnittliche Anzahl der Atemzüge bei jedem Zyklus liegt fast identisch bei 5,5 Atemzüge pro Minute.
Das heißt nur minimal schneller als der Rhythmus der hinduistischen, taoistischen und indianischen Gebete. 

Die Wirkung auf die Versuchsteilnehmer war genauso spannend wie die Zusammenhänge der verschiedenen Religionen und Kulturen. Durch die verlangsamte Atmung entstand eine besser Hirndurchblutung, mit einem Zustand der Kohärenz. Das bedeutet, die Funktion des Herzens, des Blutkreislaufs und des Nervensystems stellte sich maximal effizient ein.

 

Anleitung für die heilende Atmung

  • Atme langsam und bewusst durch die Nase ein
  • Achte darauf, dass sich erst dein Bauch füllt, dann dein unterer Brustbereich und dann der obere Brustbereich
  • Zähle währenddessen langsam auf 5,5 oder 6
  • Ohne Pause zwischen dem ein und dem Ausatmen lässt du die Luft wieder durch die Nase oder den Mund 5,5 oder 6 Sekunden ausfließen
  • Stell dir das Ganze so vor wie eine Welle, die am Sandstrand ausläuft und kommt und wieder geht, kommt und wieder geht

Tipp: Versuche, dass der Einatemstrom sich linear an den Ausatemstrom angleicht, ohne Pause dazwischen!