Zusammenhang Kiefer und Beckenboden: Anatomische & psychosomatische Verbindungen

Viele Menschen leiden unter Beschwerden im Kiefer oder Beckenboden, doch nur wenige wissen, dass diese beiden Körperbereiche miteinander verbunden sind. In diesem Artikel werden wir die faszinierende Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden untersuchen und die anatomischen, psychosomatischen und psychologischen Zusammenhänge erklären. Außerdem geben wir dir hilfreiche Fragen an die Hand, die du dir stellen kannst, wenn du unter Beschwerden in diesen Bereichen leidest.

Also, welchen Zusammenhang zwischen Kiefer und Beckenboden gibt es? Embryologisch gesehen wird der Kiefer und das Becken aus der gleichen Zelle gebildet und bleibt für den Rest des Lebens durch das Faszialesystem verbunden. Über das psychosomatische System besteht ebenfalls eine Verbindung, da Kiefer und Beckenboden beide hochsensibel gegenüber Druck sind.

In diesem Artikel erfährst du alles, was du über den Zusammenhang von Kiefer und Beckenboden wissen musst. Am Ende gebe ich dir meine therapeutische Einschätzung zu diesem spannenden Thema und wie du das neue Wissen für deine persönliche Heilung nutzen kannst.

Inhaltsverzeichnis

Die anatomische Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden

Fasziennetzwerk: Verbindung von Kopf bis Fuß

Unser Körper ist durch ein komplexes Netzwerk von Faszien, also bindegewebigen Strukturen, miteinander verbunden. Dieses Fasziennetzwerk erstreckt sich von Kopf bis Fuß und kann erklären, warum Spannungen in einem Bereich des Körpers Auswirkungen auf einen anderen haben können. Faszien umhüllen und verbinden Muskeln, Organe und Knochen, was bedeutet, dass Spannungen und Verklebungen in einem Teil des Körpers sich auf andere Bereiche auswirken können. Wenn beispielsweise die Faszien im Kieferbereich angespannt sind, kann dies über die tiefe Frontallinie (eine der myofaszialen Linien) den Beckenboden beeinflussen.

Embryonaler Zusammenhang Kiefer und Beckenboden

Alles beginnt etwa am 15. Tag der Embryonalentwicklung. In dieser Phase, der sogenannten Gastrulation, entstehen aus einer Zelle zwei Keimscheiben. Aus der einen Keimscheibe entwickelt sich der Kiefer-Mund-Rachen-Bereich, aus der anderen der Hüftbereich und Beckenboden. Obwohl die Wirbelsäule später zwischen diesen Bereichen wächst, bleiben sie durch ihre gemeinsame Entwicklung eng miteinander verbunden.

Die Rolle der Hirnhäute und Faszien

Eine oft übersehene, aber bedeutende Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden sind die Hirnhäute (Meningen). Diese dreischichtigen Membranen umhüllen das Gehirn und Rückenmark und setzen sich bis zum Kreuzbein fort. Spannungen oder Verkrampfungen im Kieferbereich können über die Hirnhäute Spannungen entlang der Wirbelsäule bis hin zum Beckenboden erzeugen. Dies geschieht durch die kontinuierliche Verbindung der Dura mater, der äußeren Schicht der Hirnhäute, die direkt mit dem Schädel und den ersten beiden Halswirbeln verbunden ist und nach unten bis zum Sakrum reicht.

Muskelketten und ihre Auswirkungen

Neben den Faszien gibt es auch Muskelketten, die verschiedene Muskelgruppen miteinander verbinden. Diese Muskelketten können Spannungen und Fehlstellungen von einem Bereich des Körpers auf einen anderen übertragen. Ein verspannter Kiefer kann somit die Muskelketten beeinflussen, die bis zum Beckenboden reichen, und dort ebenfalls Verspannungen und Schmerzen auslösen. Insbesondere die vordere und hintere myofasziale Linie spielen hierbei eine Rolle, da sie die kausalen Verbindungen von Kopf bis Fuß darstellen.

Eine besonders dominante Myofaszialeverbindung verläuft von der Zungenspitze bis zum Beckenboden und Steißbein. Inzwischen ist bekannt, dass Menschen durch eine gezielte Behandlung der Zunge langanhaltende Beschwerden im Hüftbereich deutlich lindern konnten. Eine Studie aus dem Jahr 2009 bestätigte, dass Personen mit chronischen Hüftbeschwerden Besserung erfuhren, nachdem sie eine Myofascial Release-Behandlung im Kieferbereich erhalten hatten. Durch die Bearbeitung des Kiefergelenks konnte die Mobilität des Hüftgelenks verbessert und damit verbundene Schmerzen langfristig gelindert werden.

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Aaron Jurenka - Ganzheitlicher Therapeut

Osteopathie, Psychosomatik, Physiotherapie, Ernährungsberatung, med. Trainingstherapie, Dozent für Physiotherapie

„Ich begleite seit über 14 Jahren PatientInnen und KlientInnen – Online und 1:1 in meiner Praxis“

Psychosomatische Verbindung zwischen Kieferbeschwerden und Beckenboden

Unterdrückte Gefühle und Emotionen

Unterdrückte Gefühle und Emotionen sind eine häufige Ursache für Verspannungen im Kiefer- und Beckenbodenbereich. Die Gemeinsamkeiten von Kiefer und Beckenboden liegt in einer Hochsensibilität gegenüber Druck und Spannung. Wenn wir gestresst sind und nicht wissen, wie wir mit unseren inneren Gefühlen umgehen sollen, neigen wir dazu, die Kiefermuskulatur anzuspannen oder die Zähne zusammenzubeißen.

Diese Anspannung kann sich über Muskelketten und das Fasziennetzwerk auf den Beckenboden übertragen und dort ebenfalls zu Verspannungen führen. Dadurch können Kiefer und Beckenboden als Barometer für Spannung und Entspannung angesehen werden. Steigt der innerlich empfundene Druck, steigt auch die Spannung in Kiefer und Beckenboden.

Ganz häufig fehlt das Ventil für die negativen Emotionen und Gefühle, was zu einer erhöhten Produktion von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin führt, die wiederum Muskelverspannungen und Faszienverklebungen begünstigen.

Wie Emotionen und psychische Programme Kiefer und Blase beeinflussen

Emotionen wie Angst, Wut und Traurigkeit können körperliche Symptome hervorrufen. Wenn wir Emotionen unterdrücken oder nicht angemessen verarbeiten, kann sich dies in Form von körperlichen Beschwerden äußern. Beispielsweise können unterdrückte Wut und Frustration zu einem verspannten Kiefer führen, der wiederum den Beckenboden beeinflussen kann. Diese psychosomatischen Reaktionen sind das Ergebnis des Zusammenspiels von Nervensystem, Hormonen und Muskelfunktion, die unbewusst gesteuert werden.

Diese fehlende Verarbeitung der Emotionen werden durch psychische Programme wie z. B., “Ich beiße mich durch”, verstärkt. Besonders dann, wenn wir unbedingt etwas durchsetzen oder an etwas festhalten wollen, führt das zu muskulärem Druck in Kiefer und Becken. D. h. wir pressen nicht nur die Zähne zusammen, sondern auch den Beckenboden, was sich auch auf die Blase übertragen kann. Das kann z. B. zur häufigen Blasenentleerung führen.

Ein anderes psychisches Muster wäre, “Ich halte durch” oder “Ich halte fest”.

Hier neigen Betroffene dazu, sowohl den Kiefer als auch den Schließmuskel der Blase zu kontrollieren. D. h. den Schließmuskel vermehrt anzuspannen. Das kann langfristig zu Dysfunktionen führen.

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Selbstheilung durch Gedanken

Folge 37: Die faszinierende Verbindung von Kiefer und Becken

In dieser Podcast-Episode entdeckst du die einzigartige Verbindung zwischen deinem Kiefer und deinem Becken. Erfahre, wie fasziale Züge Druck und Spannung von Kiefer auf das Becken übertragen und zu Beschwerden in Hüfte, Blase und ISG führen können. Außerdem erfährst du, welche psychosomatischen Zusammenhänge dabei eine wichtige Rolle spielen. Lass dich überraschen, warum eine ganzheitliche Betrachtung deiner Gesundheit so wichtig ist.

Psychologische Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden

Die Rolle der Psyche bei körperlichen Beschwerden

Die Psyche spielt eine entscheidende Rolle bei körperlichen Beschwerden. Psychische Belastungen und ungelöste emotionale Konflikte können sich in körperlichen Symptomen manifestieren. Ein Beispiel dafür ist die somatoforme Störung, bei der seelische Konflikte körperliche Beschwerden hervorrufen, ohne dass eine organische Ursache vorliegt. Das Zusammenspiel von Körper und Geist ist komplex und eng miteinander verflochten, sodass psychische Probleme häufig körperliche Beschwerden nach sich ziehen.

Bewältigungsstrategien und ihre Bedeutung

Es ist wichtig, effektive Bewältigungsstrategien für Stress und emotionale Belastungen zu entwickeln, um körperliche Beschwerden zu reduzieren. Dazu gehören in erster Linie Ansätze, die uns die psychischen Muster erkennen und durchschauen lassen. Dadurch wird uns sehr schnell klar, warum wir dazu neigen so viel Druck und Spannung aufzubauen und warum wir nicht loslassen können. Die Aufgabe ist also, emotionale Konflikte zu bearbeiten und zu lösen. Kognitive Verhaltenstherapie (CBT), Achtsamkeitstraining und Visualisierungen sind einige der Methoden, die helfen können, die Verbindung zwischen psychischem Stress und körperlichen Beschwerden zu durchbrechen.

Leidest du aktuell unter Schmerzen? Ich helfe dir gerne

Ich begleite seit über 14 Jahren PatientInnen auf ihrem Weg zur Gesundheit. Ich freue mich auf Dich!

6 Fragen, die du dir bei Beschwerden in Kiefer und/oder Becken(boden) unbedingt stellen solltest!

  • Wo bin ich besonders hohem Druck in meinem Leben ausgesetzt?
  • Wo setze ich mich selbst unter Druck?
  • Welche Emotionen halte ich zurück?
  • Wie gehe ich mit Stress und Anspannung um?
  • Gibt es ungelöste Konflikte in meinem Leben?
  • Wie kann ich Entspannung in meinen Alltag integrieren?

Meine therapeutische Einschätzung: Zusammenhang Kiefer und Beckenboden

Die Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden ist komplex und multifaktoriell. Anatomische Strukturen wie das Fasziennetzwerk und die Hirnhäute spielen eine Rolle, ebenso wie psychosomatische und psychologische Faktoren

Stress, unterdrückte Emotionen und ungelöste Konflikte können sowohl den Kiefer als auch den Beckenboden beeinflussen und zu Beschwerden führen. Es ist wichtig, diese Zusammenhänge zu verstehen und mit einer Aufarbeitung der Gefühle und Emotionen zu beginnen, um langfristig die Symptome zu lindern.

Leidest du aktuell unter Spannung in Blase und/oder Kiefer, zeigt dir dein Körper, dass du mehr loslassen darfst.

„Versuche nicht das Leben, zu kontrollieren, sondern lass dich vom Leben führen.“

Wenn du bis hierhergekommen bist, dann wirst du verstanden haben, dass wir bei Kieferbeschwerden und Beckenbodenbeschwerden deutlich mehr Möglichkeiten haben, um Heilung zu provozieren, als bisher von den meisten angenommen.

Wenn du Fragen zum Thema hast oder du nicht weißt, wie du deine Beschwerden langfristig lindern kannst, dann melde dich gerne bei mir.

Alles zum Thema auch als Video verfügbar!

Häufig gestellte Fragen zum Thema Zusammenhang Kiefer und Beckenboden

Können Kieferprobleme Beckenbodenschmerzen verursachen?

Ja, Kieferprobleme können über das Fasziennetzwerk und die Hirnhäute Spannungen bis zum Beckenboden übertragen und dort Schmerzen verursachen.

Wie erkennt man, ob Stress die Ursache für Kiefer- und/oder Beckenbodenbeschwerden sind?

Stress als Ursache kann durch eine detaillierte Anamnese, Beobachtung der Symptome in Stresssituationen und den Ausschluss anderer organischer Ursachen festgestellt werden.

Was kann ich tun, um meinen Kiefer und Beckenboden zu entspannen?

Aufarbeitung der psychosomatischen Themen und Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung, Atemübungen sowie regelmäßige Bewegung können helfen, sowohl den Kiefer als auch den Beckenboden zu entspannen. Außerdem sollte die Wirksamkeit von Eigenmassagen im Kiefer, und Mundbereich nicht unterschätzt werden.

Welche Rolle spielt die Körperhaltung bei diesen Beschwerden?

Eine schlechte Körperhaltung kann zu Fehlbelastungen und Verspannungen führen, die sowohl den Kiefer als auch den Beckenboden beeinflussen können. Eine ergonomische Haltung und gezielte Übungen zur Verbesserung der Körperhaltung sind wichtig.

Wie hängen emotionale Konflikte mit körperlichen Beschwerden zusammen?

Emotionale Konflikte können sich in Form von Muskelverspannungen und körperlichen Schmerzen manifestieren, da unser Körper auf Stress und emotionale Belastungen reagiert. Diese psychosomatischen Reaktionen sind ein Ausdruck der engen Verbindung zwischen Geist und Körper.

Welche Fachleute sollte ich bei Kiefer- und/oder Beckenbodenbeschwerden aufsuchen?

Bei anhaltenden Beschwerden sollten Fachleute wie Physiotherapeuten, Osteopathen, Psychotherapeuten und Spezialisten für Psychosomatik aufgesucht werden.